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Erwählung und Erlösung der ganzen Menschheit

Dr. Hans PockIn diesem Jahr verdrängte das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ durch ihre Mutter Anna („Mariä Empfängnis“) den 2. Adventsonntag (08.12.2024). Dr. Johann Pock stellte in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark die zentralen Aussagen dieses Festes dar: Neuanfang – Erwählung – Erwählung in Vollkommenheit. Und es geht dabei nicht nur um Maria, sondern um die ganze Menschheit.


Ich sage meinen Studierenden in den Predigtkursen immer: Am schwierigsten sind die Marienpredigten. Jedes Jahr haben wir unzählige Marienfeste, Wallfahrten zu Marienkirchen, Dreizehntenwallfahrten … und fast immer dieselben Bibelstellen, und fast ausschließlich das heutige Evangelium nach Lukas: Die Verkündigung an Maria.

Und dabei ist das für heute das falsche Evangelium: Es leitet nämlich in die Irre. Bei „Mariä Empfängnis“ geht es um den Anfang des Lebens von Maria – also um Joachim und Anna, ihre Eltern. Das findet sich aber leider nicht in der Bibel – sondern nur im nicht biblischen, „apokryphen“ Jakobusevangelium. Daher ist 9 Monate nach dem 8. Dezember das Fest Mariä Geburt (8.9.); 9 Monate vor dem Weihnachtsfest jedoch der 25. März, das Fest der Verkündigung des Herrn.

Insofern ist der 8. Dezember anders als andere Marienfeste. Hier feiern wir eigentlich gar nicht Maria, oder eine ihrer Leistungen – sondern wir feiern die Erwählung und Erlösung der ganzen Menschheit.

  • Es geht um einen Neuanfang

Das Festgeheimnis sagt uns: Gott hat einen Neuanfang mit den Menschen gesetzt. Die Menschheit hat sich immer mehr in Sünden verstrickt. Aus dem Teufelskreis dieser Verstrickung konnten sie aus eigener Kraft nicht mehr entkommen – und genau das bezeichnen wir als „Erbsünde“ – also etwas, was nicht unsere persönliche Schuld ist – aber was unser Leben dennoch beeinträchtigt. Deshalb wird auch zu Mariä Empfängnis die Lesung vom Sündenfall gelesen (Gen 3): Den Menschen wurde die Freiheit geschenkt – und sie haben die Freiheit immer wieder auch missbraucht und Böses damit angestellt.

Die Bibel erzählt, dass Gott schon einmal einen solchen Neuanfang gemacht hat: Zur Zeit Noahs, als die Sünden der Menschen überhandnahmen und er nur mehr wenige Gerechte fand. Damals ließ er die sündige Welt untergehen; die Welt wurde gleichsam reingewaschen – und nur einige Gerechte überlebten in der Arche Noahs.

Doch Gott schwor damals auch: Nie wieder wird er die Welt in dieser Form vernichten – dafür steht sein Bundeszeichen, der Regenbogen.

  • Erwählung von Anfang an

Der Neuanfang diesmal setzt tiefer an: Gott sendet seinen Sohn, der als Mensch geboren werden soll. Dazu erwählt er eine Frau aus dem Volk, ein einfaches Mädchen – sie wird gnadenhaft erwählt zur Mutter des Herrn. Und genau das feiern wir heute: Von Anbeginn ihres Lebens im Mutterleib ihrer Mutter Anna war sie von Gott erwählt – und gleichzeitig auch befähigt, die Mutter Jesu zu werden.

Von Gott her war somit alles bereitet – und trotzdem musste sie selbst in ihrem Leben dann noch zustimmen. Ihre persönliche Entscheidung war es, etwas zu machen aus ihren Fähigkeiten, aus den Gnadengaben Gottes: So wie jeder Mensch Möglichkeiten geschenkt bekommt – und dann die Freiheit hat, was er damit anfängt.

Marias „Leistung“ war es, dass sie die Möglichkeit zum Sündigen nicht nützte: Jeder Mensch hat freien Willen – und damit auch die freie Möglichkeit, sich für oder gegen Gott zu entscheiden; für oder gegen das Gute – und das nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen. Maria entschied sich immer wieder für das Gute, so verehren wir sie in unserer Tradition.

  • Erwählung zur Vollkommenheit

Mariä Empfängnis ist damit aber ein Fest der ganzen Menschheit: Es ist jenes Fest, in dem es um die Möglichkeit der „Vollkommenheit“ geht – aber auch darum, dass Gott für unsere Un-Möglichkeiten und Un-Vollkommenheiten geradesteht.

„Perfektion“ ist ja ein großes Bestreben gerade unserer Zeit: Alles möglichst perfekt zu machen – doch wir schaffen es nur sehr begrenzt, perfekt zu sein. Genau deshalb kommen wir als Christen zusammen: weil wir nicht vollkommen und perfekt sind – aber uns gegenseitig unterstützen. Deshalb feiern wir Eucharistie: Als Dankesfeier, dass da einer für unsere Sünden und Unvollkommenheiten sogar sein Leben gegeben hat. Und Maria war es, die mit ihrer freien Entscheidung dieses Opfer Jesu ermöglicht hat.

Vor einiger Zeit hat ein wunderbarer christlicher Dichter, Josef Dirnbeck, sich Gedanken gemacht über das Vollkommen-Sein von Christen:

 

Wenn wir vollkommen wären

Wenn wir vollkommen wären,
hätten wir einander nicht nötig.
Weil wir schwach sind,
brauchen wir Anerkennung.
Weil wir Fehler haben,
brauchen wir Verständnis.
Weil wir unsicher sind,
möchten wir akzeptiert werden.
Weil wir wandelbar sind,
können wir einander verwandeln.
Weil wir unvollkommen sind,
können wir einander lieben.
Wenn wir vollkommen wären,
hätten wir einander nicht nötig.

(Josef Dirnbeck)

 

Wir feiern also Marias Vollkommenheit – und erfreuen uns unserer Gemeinschaft, die es uns ermöglicht, in unserer Unvollkommenheit trotzdem glückliche Menschen zu sein.

2. Adventsonntag-Maria Empfängnis, 08.12.2024

Dr. Johann Pock feiert mit uns die Hl. Messe. Die Kinder versammeln sich zum Wortgottesdienst im kleinen Pfarrsaal und überlegen u.a., was es bedeutet ein „Engel“ zu sein. 
Das Kinder-Orchester, diesmal in größerer Besetzung, spielt und begleitet den Gesang nach der Kommunion. Wir stimmen uns auf die Weihnachtszeit ein.
 

1. Adventsonntag-Segnung der Adventkränze, 01.12.2024

Es beginnt die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten, eine Zeit des Wartens: auf Licht, Rettung und Heil. 

Dr. Benke feierte mit uns die hl. Messe, die mit­ge­brach­ten Ad­vent­krän­ze wur­den ge­segnet. Im Advent feiern wir auch jeden Sonntag einen Kinderwortgottesdienst. Unsere Kinder-Musikgruppe, unter der Leitung von Leo begleitet uns an den Adventsonntagen. Die Kirche wird heuer mit einem „Engelshimmel“ geschmückt. Einige Engel wurden bereits gebastelt und in der Kirche aufgehängt. Viele andere werden noch folgen.

‚Gefalle ich dir?‘ Gefalle ich mit meiner Art zu leben Gott? Was sagt Paulus dazu? – Predigt

Dr. Christoph BenkeDamit beschäftigte sich Dr. Christoph Benke in seiner Predigt am 1. Adventsonntag in Schönbrunn-Vorpark.


„Gefalle ich Dir?“ Mit dieser Frage will sich jemand der Zuneigung des Partners versichern. Vielleicht ist eine kleine Unsicherheit da, ob das denn noch so ist … Man wird da auch nicht leicht nein sagen können. Jedenfalls möchte da jemand hören: Ja, Du gefällst mir. Diese Sehnsucht ist tief in uns: anerkannt zu werden; zu hören „Du gefällst mir“.

In einer Ermahnung erinnert Paulus die Gemeinde in Thessaloniki: Ihr habt von uns gelernt, wie ihr leben müsst, um Gott zu gefallen, und ihr lebt auch so; werdet darin noch vollkommener! (1 Thess 4,1). Es gibt also eine bestimmte Lebensart, die Gott gefällt – ein gottgefälliges Leben. Diese Art zu leben lernt man an anderen. Man schaut sie zunächst ab. Dann eignet man sich diese Lebensart nach und nach an.

Was macht ein gottgefälliges Leben aus? Dazu liefert die Lesung Hinweise. Der eine: ‚Ihr lebt schon gottgefällig‘, aber werdet darin noch vollkommener! Das klingt nach Perfektionismus. Gemeint ist aber Wachstum: Euch aber lasse der Herr wachsen und reich werden in der Liebe zueinander (3,12). Unsere Berufung als Mensch und als Getaufte ist, zu lieben und in der Liebe zu wachsen. Die Liebe soll an Tiefe gewinnen und die Mitmenschen und die Mitwelt immer mehr einbeziehen.

Gefalle ich Dir? Es ist richtig, diese Frage an Gott zu richten: Führe ich ein gottgefälliges Leben? Wir dürfen von einem tiefen und dick unterstrichenen Ja ausgehen: Gott hat uns gewollt. Er zieht seine Liebe nie zurück. Aber er hofft, dass wir an seiner Liebe wachsen, sie immer dankbarer beantworten. Wenn wir das im Blick und im Herzen hatten, können wir vor den Menschensohn hintreten, wenn er kommt (Lk 1,36).

Herzliche Einladung zu unseren Weihnachtsgottesdiensten!

Von Weihnachten bis Dreikönig bieten wir ein reichhaltiges Programm aus Gottesdiensten und Andachten an – von der Krippenandacht bis zur Sternsingermesse. Herzliche Einladung!

Geburtstagsmesse, 24.11.2024

Auch am letzten Sonntag im November – heuer der Christkönigssonntag – waren die „Geburtstagskinder“ eingeladen, eine Kerze vor dem Altar zu entzünden. Dr. Johann Pock feierte mit uns Eucharistie und spendete auch einen Einzelsegen an die Jubilare.
 

Christus ist ein König?

Dr. Hans PockMit dieser Frage beschäftigte sich Dr. Johann Pock in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am Christkönigssonntag, 24.11.2024. Am letzten Sonntag im Jahreskreis feiern wir das „Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, des Königs des Weltalls“. Papst Pius XI. hat es 1925 zur 1600-Jahr-Feier des Konzils von Nicäa eingeführt. Dieses Fest scheint heute ein wenig aus der Zeit gefallen. Mit Königen haben wir heute nur noch selten zu tun, und wenn, verbinden wir mit ihnen Macht. Welche Art von König war dann aber Jesus?


Ich muss zugeben, dass ich mir mit Bild des „Königs“ für Jesus etwas schwertue.

Jesus ist der Rabbi; er ist der Sohn des Zimmermanns. Jesus steht auf Einfachheit – aber ein König? 

Könige waren in unserer Welt immer Menschen mit viel Macht; sie wollen ihre Reiche ständig vergrößern. Oder es sind Könige wie heute noch in England oder anderswo: Die nur mehr repräsentieren; die für die Klatschspalten der Zeitungen herhalten müssen; die praktisch mit viel Geld und wenig Macht in einem Museum wohnen.

Zur Zeit Jesu war das ein wenig anders: Im Judentum zur Zeit Jesu verband man mit König alte Zeiten, als unter David und Salomo ein Königreich Israel entstand; als das kleine Volk ein mächtiges Reich war. Und sie setzten die Hoffnung in diesen Jesus, dass er nun der neue König der Juden werden könnte; dass er die fremden Herren, die Römer, aus dem Land jagen sollte. Drei Aspekte möchte ich benennen, die ich vom heutigen Fest bzw. von den heutigen Schriftstellen lerne:

  • Das erste: Jesus ist ein König, der für die Seinen stirbt. D.h. Jesus gibt vor Pilatus selbst zu: Ja, ich bin ein König!

Pilatus bringt das Thema auf den Tisch: Bist du ein König? Er sagt dies zum Gefangenen – und er macht sich lustig über ihn. Du willst ein König sein? Und Jesus gibt das erstaunlicherweise zu: Er ist ein König – aber er entspricht keinem der damaligen oder der heutigen Klischees. Sein Königtum ist nämlich nicht von hier. D.h. er herrscht nicht nach irdischen Maß staben, sondern nach göttlichen; seine Macht wird ihm nicht von irgendeinem Menschen verliehen, sondern von Gott selbst. Sie ist auch nicht zeitlich begrenzt, sondern ewig. Wenn Jesus sich hier als König bezeichnet, dann versteht er darunter etwas anderes: Er sieht den König als den Hirten seines Volkes; als den, der seine Macht dafür einsetzt, gerade den Verlorenen nachzugehen; als den, der sich nicht bedienen lässt, sondern selbst dient.

Seine Macht erweist sich auch in der Ohnmacht des Kreuzes: Die Dornenkrone, die ihm zum Spott aufgesetzt wird, wird zum Zeichen: Er ist König, aber einer, der mitleiden kann; einer, der sogar sein Leben für die Seinen hingibt.

Damit aber wirft er die menschliche Vorstellung von Macht und Herrschaft über den Haufen: Nicht mehr auf Kosten der anderen groß zu werden, sondern im Dienen groß zu sein; nicht mehr andere für sich und das eigene Machtstreben sterben lassen, sondern selber sein Leben für seine Freunde opfern.

  • Das zweite: Er stellt sich und sein Königtum in den Dienst dessen, der ihn gesandt hat. Denn er ist dazu Mensch geworden, den Menschen ein neues Gottesbild zu zeigen:

Er sagt selbst zu Pilatus: Er ist gekommen, um von der Wahrheit Zeugnis abzulegen. Die Wahrheit liegt für ihn nicht in einem Gedankenexperiment; nicht in einer philosophischen Abhandlung – sondern im Tun der Liebe. Indem er sich für die Seinen hingibt, zeigt sich die Wahrheit; indem er die Kleinen groß macht, zeigt sich die Wahrheit. Die Wahrheit ist bei ihm nicht ein Lehrsatz, sondern Wahrheit kann sich nur im eigenen Leben erweisen – und deshalb antwortet er auch nicht auf die Frage des Pilatus: Was ist Wahrheit? – Denn die Frage müsste lauten: Wer ist die Wahrheit – und diese Wahrheit ist Jesus und ist Gott selbst. Und diese Wahrheit heißt: Gott ist die Liebe.

  • Ein drittes: Der König, der einst am Richterthron über uns richten wird – er ist derselbe, der sich in der Krippe ganz klein macht und Mensch wird.

Wir feiern Christkönigssonntag, eine Woche vor Adventbeginn. Heute blicken wir auf den König, auf den Menschensohn, der als Richter und Herrscher auf den Wolken dereinst wiederkommen wird – so beschreiben es die Bilder der Bibel. – Die folgenden Wochen sprechen dann auch von dem König, der verheißen ist; vom Davidssohn, der kommen wird.

Vor dem Hintergrund des heutigen Sonntags kann ich dieses Kind in der Krippe nicht mehr verniedlichen: Denn auch dieses Kind ist Alpha und Omega; ist Anfang und Ende der Geschichte und daher auch meines Lebens.

Vorbereitung auf Weihnachten ist damit immer auch Vorbereitung auf diese Begegnung mit dem König. Und die Frage nach der Wahrheit ist eine Frage, die sich mir da immer stellt: „Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ – Natürlich möchte ich einer sein, der aus der Wahrheit ist; der Jesu Stimme hört – aber wie geht das? Jesus selber sagt: Ich habe öffentlich gesprochen; ich habe mit meinem Leben Zeugnis abgelegt von der Wahrheit. Er ist der Maßstab für mein Leben; er zeigt mir, dass es nicht um eine Verdammung von Macht geht, sondern darum, wie ich mit der Macht umgehe, die ich habe. Und er zeigt auch, dass Ohnmacht, Krankheit, Not oder Leid uns nicht von Gott trennen, sondern dass wir darin dem König am Kreuz sehr nahe sind.

Drei Aspekte, drei Gedanken für diesen Christkönigssonntag:

  • Christus ist ein König – aber ein König, der seine Macht in den Dienst der anderen stellt.
  • Christus ist die Wahrheit – und zeigt, dass Gottes Wahrheit lautet: Er ist die Liebe, die durch den Tod hindurch geht; ja, die stärker ist als der Tod.
  • Und Christus ist das Kind in der Krippe und der Weltenrichter in einer Person. Er fordert mich heraus, mein Leben an ihm auszurichten.

 

Die letzte Generation?

Pater Dr. Clemens Pilar COpDie Lesungstexte der letzten Sonntage im Kirchenjahr scheinen eine wirklich apokalyptische Situation darzustellen, dass alles auf ein Ende zugeht, dass die letzte Generation angebrochen ist. Dass das aber eine verkürzte Sicht der Schriftstellen ist und dass diese in Wirklichkeit hoffnungsvolle Texte sind, hat P. Clemens Pilar COp am 33. Sonntag im Jahreskreis (17.11.2024) in Schönbrunn-Vorpark aufgezeigt.


Wir wissen: Wenn die Texte der Schriftlesung in den Gottesdiensten „apokalyptisch“ werden, dann steht das Ende des Kirchenjahres kurz bevor. Obwohl das Kirchenjahr uns regelmäßig wiederkehrende Feste bereitet, werden wir durch diese Texte daran erinnert, dass die Geschichte doch auf ein Ziel und eine Erfüllung zugeht.

Wir wissen darüber hinaus, dass die ersten Christen noch in der Erwartung gelebt haben, dass sie die Vollendung der Geschichte selbst erleben und dass sie deshalb der „letzte Generation“ angehören. Eigentlich haben also wir Christen das Copyright auf diese Bezeichnung. Heute wissen wir aber auch, dass sich diese Erwartungen so nicht erfüllt haben, und deshalb geht das Leben auch nach 2000 Jahren immer noch weiter.

Freilich kann man diese apokalyptischen Texte in unterschiedlicher Weise lesen. Eine eher oberflächliche Leseweise führt dazu, dass wir etwa an Katastrophenfilme von Roland Emmerich erinnert werden. Der lässt in einem seiner Filme sogar den Mond auf die Erde fallen. Man denkt wirklich an das Weltende, vor allem wenn man die Rede vom Menschensohn hernimmt, den man auf Wolken kommen sieht… alles das stachelt die apokalyptischen Fantasien an. Nur irgendetwas stimmt an dieser Leseart offensichtlich nicht, denn Jesus sagt: „Diese Generation wird nicht vergehen, ehe all das geschieht.“ Dann muss es ja schon passiert sein. Ist es also bereits geschehen?

Tatsächlich kann man diese Texte auch anders lesen – und dann werden sie hoffnungserweckend, gerade auch für Zeiten wie jene, die wir gerade erleben. Aber dazu muss man die Symbolsprache der Bibel erschließen und den zeitlichen Kontext, in dem Jesus diese Rede gehalten hat, mitbedenken. Probieren wir das einmal aus.

Die Situation war politisch sehr angespannt. Ständig kam es zu kleineren messianischen Aufständen gegen die Römer im Land, es war nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer großen Explosion kommt. Das war dann ab dem Jahr 66 der Fall. In der vorangegangenen Stelle hat Jesus von dieser kommenden Drangsal gesprochen. Er hat auch klar angesagt, dass die Stadt zerstört werden wird und es am besten ist, nicht bis zum Schluss darin auszuharren, sondern rechtzeitig in die Berge zu fliehen.

Aber jetzt sagt Jesus etwas, das tröstlich ist und Hoffnung macht. Die politischen Kräfte und Mächte haben nicht das letzte Wort. Wenn Jesus hier von Sonne und Mond spricht, dann meint er nicht die Himmelskörper als solche. In der heidnischen Welt galten diese als Götter, und die Mächtigen haben sich auf diese Götter berufen. Die Sonne stand für Rom, der Mond für die Vasallenreiche, die Sterne für die „Stars“ der politischen Szene. Jesus sagt, dass diese Götter ihre Macht verlieren werden, genauso wie die Fürsten, die sich auf diese Götter berufen haben. Das sind die Sterne, die vom Himmel fallen, gefallene „Stars“ eben.

Und was hat es mit dem Menschensohn, der auf den Wolken des Himmels kommen wird, auf sich? Die „Wolke“ galt schon im Alten Testament als ein Symbol für die göttliche Gegenwart. In einer Wolke hat Gott sich auf das Offenbarungszelt in der Wüste herabgelassen. Aus einer Wolke hat Gott auf dem Berg der Verklärung gesprochen. Nun spricht Jesus davon, dass der „Menschensohn“ auf einer Wolke gesehen wird, das heißt nichts anderes, als dass die Göttlichkeit des Menschensohnes offenbar wird. Wann wird das sein? Oder ist das schon geschehen? Es geschah an dem Tag und in „der Stunde“, von der niemand wusste, wann diese sein wird. Denn wenn von „der Stunde“ die Rede ist, ist die Stunde der Verherrlichung des Sohnes gemeint. Diese vollzog sich nirgendwo anders als auf Golgotha. Es war sogar ein römischer Soldat, der als Erstes dieses Bekenntnis ausgesprochen hat: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn“. (Mk 15, 39)

Bald darauf wurden die „Engel“ in alle Himmelsrichtungen ausgesandt, um die Auserwählten zu sammeln. Jetzt müssen wir bedenken, dass hier nicht die Rede ist von den „Engeln des Himmels“ – von denen ist auch manchmal die Rede, nicht aber hier. Das griechische Wort Angelos bedeutet zunächst ja nur „Bote“. Tatsächlich sind nach dem Tod und der Auferstehung Jesu die Apostel, also die Boten, in die ganze Welt gesandt worden, um die Menschen in einer neuen Gemeinschaft zu sammeln.

Jetzt wollen wir zusammenfassend ein Fazit ziehen und herauslesen, welche Hoffnungsbotschaft darin enthalten ist. Die erste Hoffnungsbotschaft: Politische Reiche haben immer ihr Ablaufdatum. Selbst das römische Reich, das unbesiegbar schien, ist zusammengebrochen. Es hat sein Licht verloren. So wird es bei allen Reichen sein, egal wie bedrohlich sie sich auch gebärden. Wenn man mitten in einer großen Bedrängnis lebt, kann man sich oft gar nicht vorstellen, dass das einmal zu Ende gehen wird (so konnte sich meine Mutter, die als Jugendliche den Nationalsozialismus erlebt hat, nicht vorstellen, dass das jemals zu Ende geht. Es war alles so übermächtig, dass es unüberwindbar schien. Nach wenigen Jahre aber war der Spuk vorbei.). So wird es mit allen Reichen sein, mit allen den politischen Mächten – das gilt auch heute.

Dagegen erstrahlt die ganz andere Herrlichkeit des Menschensohnes, der am Kreuz gesiegt hat, der durch sein Sterben am Kreuz, die Hingabe seines Lebens als Sohn Gottes offenbar geworden ist. Ausgehend von ihm wird ein anderes Volk gesammelt, das sich nicht durch eine bestimmte Nationalität auszeichnet (und deshalb keinen Nationalismus kennt), weil es aus allen Himmelsrichtungen – und damit aus allen Völkern und Nationen zusammenströmt.

Für uns gilt deshalb, dass wir uns bei allen Turbulenzen in unserer Zeit, bei all dem, was auch weltpolitisch so gefährlich erscheint, einfach, so gut es eben geht, um das andere „Reich“, um das Reich Gottes kümmern. Hier gelten andere Gesetze als in der Welt. „Sucht zuerst das Reich Gottes, alles andere wird euch dazugegeben.“ – So hören wir es in der Bergpredigt. Auch wir wissen nicht, was kommt und was der Morgen bringt. Aber es könnte sein, dass wir nicht die letzte Generation sind und dass es sich lohnt, sich für eine bessere Zukunft einzusetzen und mitzuwirken an der Ausbreitung des Gottesreiches. Das freilich geschieht ruhig, unspektakulär – ganz nach der Art des Sauerteiges. Die Reiche dieser Welt werden vergehen. Was auf Gott gegründet ist, hat Bestand für immer.

 

 

Erstkommunionvorbereitung und Vorstellungsmesse

Am Samstag, 9. und Sonntag, 10. November trafen sich die 28 Erstkommunionkinder mit ihren Eltern erstmals für die Vorbereitung. Am Samstag stand die Frage „Was macht mich/dich einzigartig?“ im Mittelpunkt. Außerdem wurde der Kirchenraum erkundet, Gebetsteelichter für Sonntag sowie eine Schatzkiste gebastelt. Wir übten auch schon für Sonntag, wo dann die Kinder in der Messe der Gemeinde vorgestellt wurden. Ein großer Regenbogen mit den Fotos der Kinder wurde aufgestellt

– entsprechend unserem Motto: „Versprochen ist versprochen“. Es verweist auf die Sintfluterzählung im Buch Genesis. Nach der großen Flut schließt Gott einen Bund mit Noah und allen Geschöpfen und verspricht, nie wieder durch eine Flut das Leben auf der Erde zu vernichten. Der Regenbogen dient dabei auch Gott als sichtbare Erinnerung an sein Versprechen:

„Steht der Bogen in den Wolken, so werde ich auf ihn sehen und des ewigen Bundes gedenken.“ (Gen 9,16) Bis heute ist der himmlische Bogen daher für uns ein sichtbares Zeichen der Nähe Gottes und seines Schutzes. Das wollen wir den Kindern auch im Rahmen der Erstkommunionvorbereitung vermitteln. Wir werden uns an 5 Halbtagen treffen und dann am 17. und 18. Mai die Erstkommunionsfeste feiern.

Begleitet wird die Vorbereitung von Vera Grandegger, Kerstin Schultes, Pfarrer Martin und mir. Von Herzen danke ich dem Team für die Zeit und Liebe, mit der sie sich einbringen!

Glaube und Denken

Pater Dr. Clemens Pilar COpWie wurden von Schriftgelehrten die Liebesgebote verstanden und wie sieht sie Jesus? Was wird betont und was wird übersehen? Wie fasst Jesus sie schließlich zusammen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich P. Clemens Pilar Cop in seiner Predigt am 31. Sonntag im Jahreskreis (03.11.) in Schönbrunn-Vorpark.


Das heutige Evangelium schildert uns eigentlich eine ungewöhnliche Szene. Ungewöhnlich ist nicht, dass ein Schriftgelehrter Jesus eine Frage stellt. Das kommt immer wieder vor. Aber normalerweise finden wir da immer die zusätzliche Feststellung, dass es bei diesen Gelegenheiten immer darum ging, Jesus auf die Probe zu stellen, bzw. ihn in eine Falle zu locken, um einen Grund für eine Anklage gegen ihn zu haben. Hier aber fehlt dieser Zusatz. Dieser Schriftgelehrte ist anders, er ist wirklich an der Meinung Jesu interessiert.

Und die Frage, die dieser Jesus stellt, hat damals die Schriftgelehrten wirklich beschäftigt. Traditionsgemäß hat man damals 613 Gebote und Verbote gezählt, eine Zahl, die sich aus den 365 Tagen des Jahres und der damals angenommenen Anzahl der Glieder des Menschen (248) entsprach. Vorherrschend war die Ansicht, dass das Sabbatgebot das Wichtigste sei, denn auch Gott halte den Sabbat ein. Dieses Gebot wurde als so wichtig erachtet, dass immer genauer definiert wurde, was man am Sabbat alles nicht tun durfte, damit die Sabbatruhe nicht gebrochen wird. Am Ende hat man 1521 Tätigkeiten aufgelistet, die am Sabbat verboten waren. Bei Zuwiderhandlung drohte – zumindest theoretisch – die Todesstrafe.

Der Schriftgelehrte, der da zu Jesus kam, war scheinbar mit dieser Lösung nicht zufrieden und will jetzt wissen, wie Jesus das sieht. (Zuvor hatte der Schriftgelehrte nämlich staunend wahrgenommen, wie klug Jesus anderen Schriftgelehrten gekontert hatte, die ihn tatsächlich auf die Probe stellen wollten.)

Nun, Jesus antwortet mit dem uns gut bekannten Doppelgebot der Liebe, und der Schriftgelehrte freut sich über diese Antwort, weil er offenkundig auch so dachte – anders eben als viele seiner Kollegen – und jeder freut sich, wenn seine Meinung bestätigt wird. Jesus wiederum ist auch erfreut, einmal einen Religionsspezialisten zu finden, der ihm nicht feindlich gesinnt ist. So bestätigt nun auch Jesus diesen mit den Worten: „Du bist nicht fern vom Reich Gottes.“ Damit kehrt vorerst Ruhe ein.

Wir können aber nachfragen, warum Jesus diesem Schriftgelehrten bloß zugesteht, „nicht fern“ vom Reich Gottes zu sein. Warum sagt er nicht: „Du hast es gecheckt, du bist ein Sohn des Gottesreiches“? In einem Punkt lässt sich das leicht klären. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ – Wir verstehen dieses Gebot meistens nicht so, wie es im Buch Levitikus gemeint ist. Wir meinen, dass dieses Gebot eine Erkenntnis moderner Psychologie bestätigt, demnach jemand, der sich selbst nicht annehmen kann, schwerlich andere lieben kann. Darum müsse man an einem gesunden Selbstwertgefühl arbeiten. Aber zurzeit, als dieses Gebot formuliert wurde, wurde es nicht in diesem individualistischen Sinne verstanden. Gemeint war, dass man alle Volksgenossen genauso lieben soll wie die Angehörigen des eigenen Clans. Aber über die Volksgenossen hinaus war keine Liebe verlangt. Hier war also nachzubessern – das lesen wir dann im Lukasevangelium (vgl. Lk 10, 25-37). Dort klärt Jesus, dass diese Nächstenliebe alle nationalistischen Grenzen übersteigen muss. Jeder Mensch ist ein Nächster, auch dann, wenn er einer verhassten Volksgruppe angehört. Also haben wir einen Punkt, wo der Schriftgelehrte vielleicht noch lernen muss.

Aber da gibt es noch einen zweiten Punkt, der mir sehr interessant und wichtig erscheint. Wir haben in der ersten Lesung die Urform des Gebotes der Gottesliebe gehört, die Jesus dann zitiert. Leider geht das in der Liturgie so schnell, dass wir meistens den feinen Unterschied zwischen beiden Versionen nicht bemerken. Im AT heißt es, dass man Gott mit seinem ganzen Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft lieben soll. Jesus fügt einen vierten Aspekt hinzu. Er sagt, dass man Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele, mit ganzem Denken und ganzer Kraft lieben soll. Hier kommt das „Denken“ hinzu. Wörtlich ist von der „Dianoia“ die Rede, vom „Durchdenken“. Die Gottesbeziehung soll auch den Verstand miteinbeziehen. Glaube und Gottesliebe sollen reflektiert sein. Und diese Dianoia meint ein wirklich freies Denken: Stell dich deinem Glauben, deiner Gottesbeziehung. Was bedeutet es überhaupt, Gott zu lieben? Wie kann man Gott lieben? Die Gottesbeziehung ist nicht bloß eine emotionale Angelegenheit.

Der Schriftgelehrte reduziert zwar in seiner Antwort die Aspekte der Gottesliebe wieder auf drei, aber er bezieht den Verstand mit ein (er lässt die Seele weg). Scheinbar ist es dasselbe – aber der Begriff im Urtext zeigt, dass der Schriftgelehrte zwar am richtigen Weg ist, aber noch einen Schritt zu gehen hat. Er spricht nicht vom Denken, der Dianoia, sondern vom Verstand – im Griechischen steht hier das Wort „Synesis“. Der Schriftgelehrte, der der Synesis fähig ist, ist kein Fundamentalist, sondern einer, der alle Schriften genau ansieht, vergleicht und deshalb zu kritischen Deutungen fähig ist. Aber er bleibt noch ganz bei der Schrift, bei dem, was da vorliegt, er ist eben ein Schriftgelehrter, aber immerhin einer der kritischen Art. So ist er fähig, zwei unterschiedliche Schriftstellen, die eine aus dem Buch Deuteronomium, die andere aus dem Buch Levitikus zusammen zusehen und aus dem Gesamtzusammenhang zu schließen, dass da etwas wichtiger ist als das strenge Sabbatgebot. Damit ist er nicht fern vom Reich Gottes, aber es scheint, dass ein letzter Durchbruch in die Neuheit dieses Reiches noch aussteht.

Jesus ermutigt aber, das ganze Denken einzubringen. Dazu darf der Blick in die Schrift und die alten Traditionen nicht fehlen. Aber dazu kommt ein offenes Wahrnehmen des Lebens, wie es sich in der Schöpfung zeigt, wie es sich in den Begegnungen zeigt. Diese Art der Gottesliebe ist zugleich von einer tiefen Liebe zum Menschen durchdrungen und führt zu der immer neuen Frage, was dem Menschen wirklich hilft, was ihn wirklich leben lässt. Der Buchstabe des Gesetzes reicht nicht, um diese Fragen erschöpfend zu beantworten. In der Bergpredigt fasst Jesus deshalb das ganze Gesetz und die Propheten in der goldenen Regel zusammen (vgl. Mt 7, 12). Erst wer sich dieser Weite des Denkens öffnet, wird fähig, dort, wo es angezeigt ist, auch religiöse Praktiken und Regulierungen zu hinterfragen. Der Umgang Jesu mit dem Gesetz zeigt, was das bedeutet. Er schafft das Gesetz nicht ab, aber er relativiert es auf das Lebensdienliche hin.

Das Reich Gottes ist dort, wo das Gelingen des Lebens im Zentrum steht, der „Schalom“, und wo ausgehend von diesem Ziel alle Regeln formuliert werden.

Im Johannesevangelium hören wir dann, wie Jesus dieses Liebesgebot – das wir jetzt in der Formulierung des Alten Bundes gehört haben – für die Menschen des neuen Bundes neu formuliert. Für die Menschen des Neuen Bundes gibt es eigentlich kein Doppelgebot mehr, sondern nur noch eines, ein ganz neues: „Liebt einander. So wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ (Joh 13, 34) Gottes und Nächstenliebe fallen dann auch grammatisch untrennbar in eins. Zudem wird dabei deutlich, dass Gott den Anfang in der Liebe macht. Der Mensch darf empfangen und dann das Empfangene weitergeben.

Clemens Pilar COp