Ein etwas anderes Fasten

In der Zeitschrift ‚Neue Stadt‘ habe ich folgenden Text gefunden: ‚Das Potential eines Samens zieht niemand in Zweifel. Befindet er sich am richtigen Platz, mit ausreichend Wasser – keinesfalls zu viel -, ganz ohne Ziehen und Zupfen am ersten Spross, wird aus ihm eine Knospe, die zu gegebener Zeit in voller Blüte steht. Ich glaube fest daran, dass in jeden Menschen ein Samen des Unendlichen gelegt ist, der ihn zu etwas ganz Besonderem macht. Ich freue mich auf die Blüten um mich herum, die mein Leben bunter machen.‘ (Ulrike Comes Nr. 3/2024)

Gerade jetzt, zu Beginn des Frühlings könnten wir darauf verzichten, an anderen herumzuzupfen, und darauf vertrauen, dass Gott mit jeder und jedem etwas Eigenes vorhat und sich dies zum richtigen Zeitpunkt entfaltet. Bilden wir ein Umfeld und einen nährstoffreichen Boden, in dem sich die vielen unterschiedlichen Samen gut entwickeln können.

In Zeiten der gesellschaftlichen Spaltung, des Gegeneinander in verschiedenen Bereichen ist es für uns als glaubende Menschen dringend geboten, uns für ein Miteinander einzusetzen. Erinnern wir uns an die sogenannte goldene Regel, die es in allen Religionen und Weltanschauungen gibt. Beispielhaft: In der Bibel: ‚Alles, was ihr wollt, das euch die Menschen tun, das tut auch ihnen.‘ (Mt 7,12), Im Islam: ‚Keiner von euch kann sich wirklich gläubig erachten, wenn er für seinen Nächsten nicht das Gleiche wünscht wie für sich selbst.‘ (Hadith 13)

Mahatma Gandhi sagte: ‚Du und ich, wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich selbst zu verletzen.‘ Und der Dalai Lama: ‚Eine Voraussetzung für den Frieden ist der Respekt vor dem Anderssein und vor der Vielfältigkeit des Lebens.‘ Es geht nicht um einen undifferenzierten Einheitsbrei, sondern um den Versuch seine eigenen Überzeugungen und Wurzeln zu vertiefen, damit man aufgrund dessen auch mit anderen in Kontakt treten kann. Wenn meine Religiosität nur aus Äußerlichkeiten besteht, dann habe ich Angst vor den anderen. Wenn mein Glaube aber tiefe Wurzeln hat, dann kann ich aufrecht stehen und mit anderen in einen Dialog treten. Versuchen wir in diesen Tagen unsere eigenen Wurzeln zu stärken und dann anderen positiv gegenüberzutreten.